Der dritte Raum: Trommelmaschine

Der dritte Raum sind hervorragende Soundtüftler, immer irgendwo zwischen Tribaltrance und Techhouse mit leichtem Hang zum Goaesken. Bei Livekonzerten spielten sie immer tatsächlich live, d.h. nicht mit Liveinstrumenten, sondern mit Livesequenzern. Vor dem staunenden Publikum setzten sie ihren Sample und Rhythmusvorrat in bekannte Songs und jede Menge neue Lieder zusammen, immer einmalig. Ihr Hit »Trommelmaschine« wurde übrigens zur Blaupause für eine fürchterliche Mainstreamnummer 10 Jahre später…

Woody McBride – Basketball Heroes

In unserem Lehrgang »Was ist Techno« kommen wir heute zum Thema Acid. Woody McBride aka. DJ ESP hat uns seine »Basketball Heroes« mitgebracht (auf der Scheibe steht fälschlicher- wie lustigerweise »Basketball Hereos), als dessen Kernstück die berühmte 303 von Roland ihre Blasen wirft. Eine wirklich schöne Nummer, die zudem vom Rollback-Effekt der Bassdrum und dem »This stuff is really fresh«-Sample lebt, ganz sicherlich eine gute Scheibe um in ein knarziges und blubberndes 1996er Technoset zu starten.

Jeff Mills: The Bells

Als House- und Lounge-DJ habe ich nicht oft Gelegenheiten bekommen, eine meiner Lieblingsscheiben von Mr. Jeff Mills aufzulegen. Wenn ich es doch tat, war ich immer beeindruckt davon, welcher Unterschied im Hörerlebnis besteht, ob man eine Platte so nebenbei hört oder ob man die gleiche Platte auf einer richtigen Anlage mit ordentlicher Lautstärke abspielt. »The Bells« jedenfalls kegelt die Menge sofort aus der Disco, wenn man nur ein wenig zu viel Volume aufdreht. Die Leute stehen praktisch direkt im Unterhemd da, die Kleidung vom Bassdruck der Stärke 8 auf der nach offenen Skala weggerissen. Eben wie bei Hotze. Leg ich die Platte bei mir zu Hause auf, dann dreht der Sound sich mehr um sich selbst, als das Druck entsteht. Und als Youtube-Video ja sowieso. Schade. Aber vielleicht kann man es sich vorstellen?

Psychofuk: Psychofuk

Eine der 96er Nummern, die meine Lebenswelt Techno geprägt haben. Danach gab es keine Lieder mehr, nur noch Tracks.

Sean Deason gehört zur sogenannten dritten Detroiter Welle und agierte damals im Umfeld des Labels Acacia Labels von K-Hand und Alan Oldhams Generator Records (worauf ich unbedingt nochmal zurück kommen will, die nächsten Tage). 1993 gründete er das Matrix Label bei dem namenhafte Detroiter ihre Karriere begannen, darunter Claude Young, Stewart Walker und Morgan Geist.

Wenn Eure Mütter behaupten, das Gedengel in der Disse, oder das Geweine von Scooter wären Techno, dann spielt ihr einfach diese Scheibe vor: das ist Techno.

Orbital: Don't stop me

Wäre ich ein DJ, würde ich diesen Song spielen. Zumindest die erste Hälfte. Bis zum Morgengrauen. Aber in München würde ich ja nicht mal in die meisten Clubs kommen, deshalb bleibt der Song den Tanzwütigen hier verwehrt. Kriegen’se eben nicht mit, was Techno-Opas mit Buggles-Samples alles so anstellen können.