Inu: Stephen Colbert

Drüben bei Reling Sichern finde ich immer wieder feine Musik, Stücke zwischen allen Stühlen und Schubladen sozusagen. Auch auf Inu aus San Francisco bin ich dort gestoßen. Die Beschreibung als Mischung aus Coldplay und Notwist ist so zutreffend wie abschreckend (für mich zumindest, zu Coldplay konnte ich nie einen Draht finden, The Notwist und ich gingen im Streit auseinander). Das Album wird drüben gestreamt und hört sich wie der ideale Soundtrack für Autobahnfahrten in der Dunkelheit an (sage ich, der gar kein Auto mehr hat…). Manchmal ein bisschen seeeehr schmalzgestenstadionrockig, aber hey: Wer Stephen Colbert einen Song widmet, kann keine schlechte Band sein.
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Danger Mouse & Sparklehorse: Little Girl

Die seltsam anmutenden Umstände, unter denen nächste Woche das Album „Dark Night of the Soul“ nun doch noch offiziell erscheint, sprengen die Zeilen dieses Blogs. Deshalb verweise ich auf NPR, wo das Werk noch bis zum 13. Juli als Stream zu hören ist, sowie auf dieses Interview mit David Lynch, der jeden einzelnen Song mit einem Foto verknüpft hat. Eine Kollaboration, die mit Künstlern wie Frank Black, Iggy Pop, den Flaming Lips, James Mercer oder dem hier zu hörenden Julian Casablancas (The Strokes) jeden Rahmen sprengt. Und die mit den Selbstmorden von Mark Linkous (Sparklehorse) und Vic Chesnut noch eine tragische, morbide Note erhält.
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MGMT: It's working (Air Remix)

MGMT hatte ich immer ein bisschen in die Hipster-Schublade gesteckt, doch einige Songs auf „Congratulations“ strafen mich Lügen. „It’s working“ zum Beispiel ist eher ein Hippie-, als ein Hipster-Track. Bereits das Original klingt ein bisschen nach den federleichten Gitarrensamples von Air – da ist das Remix der Franzosen ist ein logischer Schritt.
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Orbital: Don't stop me

Wäre ich ein DJ, würde ich diesen Song spielen. Zumindest die erste Hälfte. Bis zum Morgengrauen. Aber in München würde ich ja nicht mal in die meisten Clubs kommen, deshalb bleibt der Song den Tanzwütigen hier verwehrt. Kriegen’se eben nicht mit, was Techno-Opas mit Buggles-Samples alles so anstellen können.

The Go Find: Dictionary

In ihren besten Momenten sind The Go Find größer als die Kings of Convenience oder The XX, ich denke da nur an die verqueren Harmonien bei „Everbody knows it’s gonna happen…“ oder die Basslinie in „Dictionary“. Auch wenn ich mir diese besten Momente öfter wünschen würde: Wären sie nicht aus dem beschaulichen Belgien (Belgien! Soulwax! dEUS!), wären sie wahrscheinlich eine der iPod-Konsensbands unserer Zeit und müssten in Fitness-Studios die Hintergrundbeschallung liefern. Es gibt also Schlimmeres, als vergleichsweise unbekannt zu bleiben.
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Flight Facilities: Crave You

Meiner persönlichen Statistik zufolge haben Disco-Lounge-Songs mit Frauengesang in 68,3 Prozent der Fälle das Klischee-Thema „Frau schmachtet Mann an“. Aber gut, wir wären wahrscheinlich auch etwas irritiert, wenn wir plötzlich Protestsongs gegen BP auf der Tanzfläche hören würden. „Crave You“ will eben nicht mehr als ein feiner Sommersong sein, was ganz ausgezeichnet gelingt. Das Remix von Bxentric (die offenbar in allen ihren Remixen den gleichen Beat verwenden) ist sogar noch ein bisschen tanzbarer.
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Damien Jurado: Arkansas

Wenn es die Sopranos noch geben würde, wäre dieser Song beim Produzenten David Chase garantiert in der engeren Auswahl für einen Abspann-Titel. Damien Jurado erzählt in seinen Liedern von der folgenschweren Beiläufigkeit des Schicksals, ohne sich in ein musikalisches Schmalzbad zu flüchten. Am Ende ist eben doch alles ganz archetypisch – bei den Sopranos, aber auch im Video zu „Arkansas“: Wälder, der Duft von Erde und eine vertraute Leiche.
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Collapse Under The Empire: Grade Separation

Das, was wir als „Post Rock“ bezeichnen, ist längst ein Schmelztiegel verschiedenster Einflüsse, der jedes Genredenken ad absurdum führt. Collapse Under The Empire, die ich drüben bei lie in The Sound entdeckt habe (jetzt erst!), sind ein schönes Beispiel dafür. Kopfkino aus Hamburg, das Schönheit im Pathos findet. Haben bestimmt ein paar Nietzsche-Werke und Niagarafälle-Fotobände daheim auf ihrem Soundteppich liegen, die Jungs.
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