Descendents: I'm the one

Seitdem Punkrock wie Emo wurde und die Schminkwelle einsetzte, kommen aus diesem Genre nur wenige neue Titel in meine Sammlung. Umso besser, dass der Punkrock-Backkatalog groß genug ist, um immer wieder längst vergessene Bands und Songs zu entdecken. Zum Beispiel die Punk-Opas von den Descendents, die niemals in die Versuchung kamen, einen Titel länger als 180 Sekunden zu machen und es genau deshalb geschafft haben, mit ihren Mini-Hymnen genau auf den Punkt zu kommen.

The Bad Plus: Never Stop

„The Bad Plus? Das ist doch die Jazz-Band, die so großartige Coversongs macht, oder?“ ist die klassische Reaktion, wenn man den Namen in die Runde wirft. Ich kann der Aussage nicht einmal widersprechen, doch wahrscheinlich ist es ein Fluch, andere Songs so gekonnt und inspiriert durch den Reißwolf zu drehen, fristen die eigenen Kompositionen der Band doch ein Schattendasein.
Auf dem neuen Album Never Stop sperren sich The Bad Plus nun der Fan-Erwartungshaltung „Was ist das nächste Cover?“ und spielen nur eigene Stücke. Und die sind ziemlich gut, das obige Titelstück würde ich sogar als Hit bezeichnen. Ich hoffe schwer, dass The Bad Plus nun für die Eigenständigkeit ihrer Jazz-Kompositionen endlich die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Lasst Teen Spirit Teen Spirit sein.
Mehr: MySpace, Bebopified, LA Times, New York Times, NPR (Erklärungen der Band zu den Songs)

Junip: Rope & Summit

José González kennt wahrscheinlich jeder, der hier vorbeisurft. Doch lange, bevor González als Gitarrenbarde bekannt wurde, spielte er bereits in der Band Junip. Für ein Album hat es aufgrund des plötzlichen Solo-Erfolges allerdings nie gereicht – bis zu diesem Herbst: Der Sound von Fields wirkt durch die Instrumentierung naturgemäß voller als der Schwede auf Solo-Pfaden. Und poppiger. Und doch strömt durch Rope and Summit diese frierende Wärme, die wir so sehr an Herrn González schätzen gelernt haben.
Mehr: MySpace, MeinblogistmeineBurg, WhiteTapes, 78s.ch, Byte.fm

The Greenhornes: There is an end

Drüben bei NPR hat Jim Jarmush vor einigen Wochen im Rahmen seiner Kuratorentätigkeit für das All Tomorrow’s Parties als Gast-DJ fungiert und dabei unter anderem diesen Song gespielt, der mir seltsam vertraut vorkam. Und siehe da: Er findet sich auf dem Soundtrack zum Jarmush-Film Broken Flowers. Die Band kannte ich vorher überhaupt nicht, und nach einem Reinhören bin ich irritiert, weil die anderen Songs sich eher nach dem Retro-Sixties-Sound anhören, der die letzte Dekade so geprägt hat.

Dropkick Murphys: Shipping up to Boston

Eastcoast Irish Punk – unwiderstehlich. Leider scheint das mit weitem Abstand der beste Song der Jungs zu sein. Ich frag mich aber echt, was das wohl ist, dass einem bei diesem Gefidel immer gleich die Unrast packt.
Nebenbei: Drüben beim Film des Tages gibt es heute passend dazu „The Departed„.

The Boy Who Trapped the Sun: Home

Auf meiner kleinen Reise habe ich auch die Isle of Lewis westlich von Schottland durchquert, auf dem Beifahrersitz der englischen Krankenschwester Judith. Die Fahrt Richtung Harris war einer dieser besonderen Momente, in denen man über Gott, die Welt und die Natur spricht und die Zeit stehenzubleiben scheint. Während wir die engen Straßen in der rauen Landschaft entlang fuhren und so einigen Schafen ausweichen mussten, lief das Album von The Boy Who Trapped the Sun im Autoradio. Ich hätte bis ans Ende der Zeit so weiterfahren können – und als ich nach meiner Rückkehr die CD, die Judith mir zum Abschied schenkte, zum ersten Mal hörte, erinnerte ich mich sofort wieder an dieses Gefühl. Das Video gibt einen Eindruck von der Stimmung auf Lewis: The Boy… ist von dort.